Zahnärzte-MVZ und Mehrbehandlerpraxen sehen sich oft mit dem Thema unzureichender Umsatzrendite konfrontiert. Ein vertiefter Blick auf die Zahlen zeigt jedoch: Ohne Kontext-Informationen sind Quoten nicht aussagekräftig.

Definition

Bei der Umsatzrendite handelt sich um eine Quote, die aussagt, wie viel Prozent vom Gesamtumsatz der Praxis als Gewinn verbleiben. Sie wird mit der Formel

Umsatzrendite = Gewinn geteilt durch Umsatz mal 100

berechnet. Wenn eine Praxis bei 3 Mio. Umsatz einen Praxisgewinn von 600.000 Euro ausweist, liegt die Umsatzrendite also bei 20 Prozent.

Wie viele Inhaber?

Sind die 20 Prozent nun gut oder schlecht? Es kommt darauf an: Wenn die Praxis drei gleichberechtigte Inhaber hat, die sich diese Summe teilen, verbleiben für jeden 200.000 Euro Gewinn. Das ist recht ordentlich, aber kein Hexenwerk. Wenn die Praxis allerdings nur einem Inhaber gehört, verbucht er einen beachtlichen Gewinn von 600.000 Euro alleine. Finanziell ist dieser Zahnarzt auf jeden Fall deutlich erfolgreicher als die drei aus der Kollegenpraxis trotz identischer Umsatzrendite von 20 Prozent. Vielleicht ist es ihm gelungen, gute Delegationsstrukturen aufzubauen. Wer diese zwei Praxen ohne Kontextinformationen rein nach der Umsatzrendite beurteilt hätte, wäre zu völlig falschen Schlussfolgerungen gekommen.

Wie ist der Investitionsstand?

Zweites Beispiel – bitte schauen Sie sich dazu die folgende Abbildung an. Die beiden Praxen Zahn und Kiefer erreichen beide eine Umsatzgröße von 2 Millionen Euro. Zahn ist auf dynamischem Wachstumskurs, hat üppig investiert und entsprechend hohes Abschreibungsvolumen erzeugt. Die Praxis von Kollege Kiefer ist in derselben Umsatzgröße unterwegs, verzichtet aktuell aber auf Zukunftsinvestitionen. Beide Praxen sind von ihrer Kostenstruktur ansonsten komplett identisch aufgestellt. Praxis Zahn erreicht einen Gewinn von 450.000 Euro und damit eine Umsatzrendite von 22,5 Prozent. Praxis Kiefer weist 600.00 Euro Gewinn aus und kommt damit auf eine Umsatzrendite von 30 Prozent. Wirtschaftet Zahn nun besser als Kiefer? Natürlich nicht, denn der Unterschied liegt ausschließlich in der Abschreibungsposition, die eine Folge der getätigten Investitionen ist. Rechnet man diesen Effekt heraus, erreichen beide einen Cashflow (Gewinn plus Abschreibungen) von 31,5 Prozent. Was ist nun besser? Zweifellos können Investitionen sehr sinnvoll, manchmal auch zwingend nötig sein, um die Praxis zukunftsfähig auszurichten. Vielleicht war die Investition aber auch unsinnig und erzeugt nur leere Kosten? Man weiß es nicht. Ohne Zusatzinformationen ist keine treffsichere Interpretation möglich.

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Basiswerte vergleichen

Ein weiteres Beispiel: Dr. Müller mag konservierende Zahnheilkunde, generiert mit seinem Team 1,5 Millionen Umsatz im Jahr, hat 150.000 Euro Fremdlaborkosten und weist einen Gewinn von 330.000 Euro aus: Das entspricht einer Umsatzrendite von 22 Prozent.

Sein Studienfreund Dr. Schulze erzielt einen Umsatz von 1.725.000 Euro, ist ein Freund komplexer Prothetik, gibt für seine Speziallabore 375.000 Euro Fremdlaborkosten pro Jahr aus und kommt ebenfalls auf einen Jahresgewinn 330.000 Euro. Daraus errechnet sich eine Umsatzrendite von 19 Prozent – drei Prozentpunkte weniger als Dr. Müller. Arbeitet er weniger erfolgreich? Nein, der Unterschied ergibt sich ausschließlich aus den anderen Basiswerten in der Rechenformel (1.725.000 Euro Umsatz statt 1.500.000 Euro).

Basiswerte-Vergleich

Fazit

Die Umsatzrendite kann bei gesunden 15 Prozent oder auch unzureichenden 30 Prozent liegen: Als isolierter BWL-Parameter ohne Kontext-Informationen ist der Wert unbrauchbar. Aber wie bewertet man dann die Praxisrendite?

Wir empfehlen den Abschied von der klassischen Umsatzrendite und die Hinwendung zu konkreten Euro-Beträgen: Entscheidend für große wie kleine Praxen ist der Cashflow in absoluten Zahlen, also die Summe von Gewinn und Abschreibung in Euro. Wichtig: Bei MVZ wird das Geschäftsführergehalt des Praxisinhabers noch hinzugerechnet.

Diese Summe ist absolut entscheidend für die Erfolgsbewertung über die Jahre, als Basis für die elementar wichtigen Liquiditätsberechnungen, für Steuerthemen und für den Vergleich mit anderen Praxen. Auch für die Auslotung von Verschuldungs-spielräumen und für Bankverhandlungen ist dieser Wert von zentraler Relevanz.

Für eine sehr persönlich Erfolgsrechnung kann „Zeit“ als das wertvollstes Gut eines Praxisinhabers in Relation gesetzt werden: Dafür wird die Summe (siehe vorheriger Absatz) in Bezug zu den eigenen Gesamtarbeitsstunden des Inhabers gesetzt: Arbeiten Sie 40 Wochen à durchschnittlich 35 Stunden pro Jahr (= 1.400 Stunden)? Oder eher 45 Wochen à 70 Stunden (= 3.150 Stunden)? Beides kommt in großen Praxen vor und hat einen erheblichen Einfluss auf die Chef-Rendite: Bei einer Summe von 500.000 Euro liegt Ihre Chef-Rendite im ersten Fall bei 357 Euro pro Stunde und im zweiten Fall mit 159 Euro pro Stunde satt darunter. In dieser Kennzahl subsumieren sich Aspekte wie Arbeitseffizienz, Work-Life-Balance und Organisationsgrad Ihrer Praxis. Diese Kennzahl ist für persönliche Zielstellungen hervorragend geeignet und kann natürlich auch als fixer Parameter im Praxiscontrolling verankert werden.

Vielen Dank für Ihr Interesse,
Maike Klapdor

KlapdorKollegen Dental-Konzepte GmbH & Co. KG

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